laufende projekte

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Schleudertrauma

Oliver Becker und Torsten Näser

Film, D 2017, 85 Min.

Im Herbst 2014 feierte das Theaterstück „Schön, dass Ihr da seid“ vor einem ausverkauften Haus Premiere. Die Aufführung markierte den Höhepunkt einer über einjährigen Kooperation zwischen dem Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Universität sowie dem „Jungen Theater“ Göttingen. Das Stück thematisiert die wechselvolle Geschichte des Grenzdurchgangslagers Friedland in Südniedersachsen und basiert auf Forschungen, die Studierende des Instituts im Rahmen eines Masterprojekts durchgeführt haben. Was im Applaus allerdings unterging, war der spannungsgeladene Prozess, in dem die Beteiligten um die Fassung des Stücks gerungen hatten.

Der Film rückt die Interaktionen zwischen Universität und Theater in den vier Wochen bis zur Uraufführung in den Fokus. Zusammen mit dem Schauspielensemble sowie Studierenden und Dozierenden entwickelt der Regisseur Kai Tuchmann die Textfassung des Stücks. Parallel dazu laufen die Arbeiten der unterschiedlichen Gewerke am Theater auf Hochtouren. In der Verschränkung der verschiedenen Praxen wird ersichtlich, wie abweichende Routinen, ungleiche Arbeitsethiken sowie disparate Hierarchieverständnisse an der institutionellen Schnittstelle zunehmend  Reibungspunkte erzeugen. Auf einer zweiten Erzählebene erinnern sich die Beteiligten an die Geschehnisse, ringen um Worte oder korrekte Formulierungen. Sie  mühen sich, um das Erlebte in einen Diskurs zu überführen, in dem das Spannungsfeld zwischen redlichem kooperativen Bemühen und der Kollision zweier Wissensmilieus zu Tage tritt, manchmal aber auch nur Schweigen hinterlässt. Die dritte Ebene der Narration markieren Ausschnitte aus dem fertigen Stück. Deutlich wird, dass der gewählte kollaborative Ansatz aller Konflikte zum Trotz die Grenzen eingeübter Wissensformate um kritische, performative und rezeptionswirksame Repräsentationen fruchtbar zu erweitern vermochte.

geplante Screenings

  • Filmabend des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie/Volkskunde und des „GSIK – Globale Systeme. Interkulturelle Kompetenz“ an der Universität Würzburg am 29.05.2018

Screenings

  • Institutskolloquium des Seminars für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel am 15.03.2018
  • Kolloquium des Institiuts für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Universität Göttingen am 13.12.2017
  • Workshop „Zusammenarbeit(en). Praktiken der Koordination, Kooperation und Repräsentation in kollaborativen Prozessen“ am Collegium Helveticum in Zürich am 06.10.2017

Von deutschen Jüdinnen und Juden zu chilenischen Jüdinnen und Juden – Entangled History Perspektive auf Bürgerwerdungsprozesse und Konfliktbewältigung in Chile des 20. und 21. Jahrhunderts. Ein Filmprojekt

Ana Troncoso

Ana Troncoso untersucht in ihrem Dissertationsprojekt Transferprozesse und Verflechtungen von Rassismen und staatlicher Repression europäischer und lokaler Herkunft in den Bürgerwerdungsprozessen von deutschen Jüdinnen und Juden in Chile. Als Folge des Holocausts sind viele deutsche Jüdinnen und Juden nach Chile emigriert, wo bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige deutsche Gemeinschaft lebte, die sich in den 30er Jahren großenteils mit Deutschland und dem Nationalsozialismus identifizierten. Die Behauptung der deutsch-jüdischen Gemeinschaft in dem neuen Kontext und die verschiedenen Positionierungen der deutschen Juden und deren Nachfahren zu den chilenischen sozial-politischen Umständen werden in dieser Arbeit als Bürgerwerdungsstrategien verstanden und in Bezug auf die strukturellen Bedingungen dieses Prozesses in Deutschland und in Chile betrachtet.
Das filmische Projekt verortet sich in den Postkolonialen- und Erinnerungsarbeit- Studien.


Linearity is over(rated). Interaktivität in dokumentarischen Formaten. Das Korsakow-System

Franziska Weidle

„Linear film is over(rated)“, behauptet der Künstler und Filmemacher Florian Thalhofer und entwickelt deshalb im Jahr 2000 eine Open-Source-Software, mit der webbasierte Dokumentarfilme produziert werden können, die sich der klassisch linearen Form des Genres widersetzen. Auf der hypertextartigen Oberfläche können sich die Zuschauer nach vorher festgeschriebenen Regeln ihren eigenen Film zusammensetzen. Die sich hier herausbildende „Filmsprache“ nimmt dabei jedoch nicht nur Einfluss auf etablierte Genrekonventionen und die Art des Filmschauens, sondern sie ist auch Ausdruck eines veränderten Realitätsverständnisses. Im Rahmen des Dissertationsprojekts werden ethnografische und literaturwissenschaftliche Ansätze kombiniert, um sich dem facettenreichen Feld dieser „New Documentary Ecologies“ aus einer Mikroperspektive anzunähern. Anhand von Thalhofers Korsakow System of Dynamic Storytelling soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die konkreten Aneignungspraktiken auf Seiten der Produktion und Rezeption ausgestalten. Ziel des Vorhabens ist vor allem, die rasanten technischen Entwicklungen im dokumentarischen Kontext sowohl für die Vermittlung als auch die Generierung kulturanthropologischen Wissens fruchtbar zu machen. Das Korsakow-System bietet als Analysewerkzeug in diesem Zusammenhang entscheidende Potenziale, die ich beobachten, erproben und kritisch hinterfragen will.

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